23.04.2017, von Cordula Apelt/ Thomas Lehnart

OpenCom, SDSL, VDSL und Richtfunk

Weiterbildung "Technik" für die Fachgruppen Führung/Kommunikation (FK) im Landesverband Hessen-RheinlandPfalz-Saarland in Kell am See (Nähe Trier)

Am Samstagmorgen stimmte Jörg Eger, als Vertreter des Landesverbandes, die 40 ehrenamtlichen Einsatzkräfte aus 11 FKs auf den Tag ein mit der Frage:
Wie können THW und Netzbetreiber (hier: Deutsche Telekom AG) im Einsatzfall Hand in Hand arbeiten?

Auf dem Betriebsgelände (Netzknotenpunkt) der Telekom fanden die Teilnehmer in Workshops praktische Antworten.
Die Workshops mit den Ausbildern, die über einen einschlägigen beruflichen Hintergrund verfügen, im einzelnen:
1. Grundlagen OpenCom1010 (Michael Koch, Fernmeldeführer im OV Gelnhausen)
    Wie wird eine Telekommunikationsanlage als "feldmäßige Vermittlungsstelle" aufgebaut, programmiert
    und bedient? 

2. SDSL- Übertragung im Katastrophenschutz (Thomas Lehnart, Dt. Telekom/OV Trier)                                                                       In diesem „Spezialisten-Workshop“ erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die SDSL (Symmetric Digital Subscriber Line) basierende Übertragungstechnik über Feld- und Fernfernleitung. Kameraden des THW OV Trier testeten diese Variante der Signalübertragung bereits erfolgreich in mehreren Einsatzvarianten: Unter anderem können mit der Verlängerung von Ethernet UTP (LAN) Schnittstellen, von konventionell max. 100m auf ca. 4 km, entfernte LAN-Kopplungen realisiert werden. Auf diese Weise lassen sich weit abgesetzte Einheiten mit Sprach-, Daten-, Bild-, und Multimediadiensten versorgen. Auch bei einem partiellen Ausfalles des öffentlichen Telekommunikationsnetzes besteht mit so einer Schnittstellenwandlung, für das THW die Möglichkeit, einen entfernten IP basierenden DSL Anschluss über mehrere Kilometer hinweg zu verlängern, um Einsatzkräfte an das öffentliche Netz anzubinden. Die reine leiterbasierende Verlängerung eines DSL Anschlusses, wäre aufgrund der begrenzten Leitungsdämpfung nicht möglich. Im Rahmen des Austausche eruierten die Besucher weitergehende Nutzungsmöglichkeiten, verbunden mit dem Wunsch nach Wiederholung des Workshops.


3. VDSL über Feldkabel 
Timo Reuland (Auszubildender bei der Dt. Telekom AG) stellte sein Abschlussprojekt vor und referierte über Vor- und Nachteile der VDSL (very high bitrate digital subscriber line) Übertragung auf einer im THD standardisierten Feldleitung. VDSL-Systeme ermöglichen höhere Übertragungsgeschwindigkeiten als ADSL und SDSL, können jedoch aufgrund der Tiefpasswirkung der Leitungen nur auf kürzeren Strecken eingesetzt werden. Mit entsprechenden HF-Wechselstrommessplätzen verifizierte der angehende IT-Systemelektroniker zunächst die Feldleitung als geeignetes Übertragungsmedium, basierend auf einer von Länge von maximal 800m (1 Rolle). Da im VDSL die Frequenzen <120kHz nicht verwendet werden, kann dieser Bereich für analoge Sprachübertragung genutzt werden. Konventionelle VDSL Bridges beinhalten diesbezüglich einen entsprechenden Splitter (Frequenzweiche). Mit dieser – vom Hersteller vorgegebenen - Ausgangssituation gab Timo Reuland sich nicht zufrieden und versuchte die gleichzeitige Übertragung einer Upn Schnittstelle, zwecks Anbindung von Systemtelefonen der OpenCom oder RFP DECT Modulen, was vorerst wegen der unverträglichen Bandverteilung nicht gelang. Die Lösung fand der 20 Jährige in der programmtechnischen Änderung des VDSL Profiles, verbunden mit dem Einsatz einer manuell gefertigten Frequenzweiche. Für das THW liegt nun der Vorteil in der gleichzeitigen Übertragung von hohen Leitungsbitraten, zeitgleich mit einem digitalen OpenCom Signal, um am fernen Ende die Einsatzkräfte mit kaskadierten Systemtelefonen oder DECT Handys mit Sprach-, Daten- und Multimediadiensten zu versorgen. Das alles nur über eine einzige Feldleitung!

4. "Mobiler Netzknoten der DTAG zur Ausleihe an den Katastrophenschutz"
Quasi als Nebenprodukt entstand zum o.g. Ausbildungsprojekt ein mobiler Netzknoten für den Katastrophenschutz. Dieser ermöglicht bei Großveranstaltungen und größeren Schadenslagen die unproblematische Vernetzung verschiedener Einheiten und eines Leitungstabes. Im Laufe der Veranstaltung hatten - die in solchen Einsätzen bewanderten - THW Kräfte die Möglichkeit eigene Erfahrungen, Ideen und Verbesserungsmöglichkeiten einfließen zu lassen, da der mobile Netzknoten noch nicht final fertiggestellt ist. Diese Impulse werden nun in der weiteren Entwicklung berücksichtigt. Der mobile Netzknoten dient als Leihgabe ans THW und kann künftig über die Ansprechpartner bei der Fachgruppe FK des OV Trier angefordert oder ausgeliehen werden. (Schnittstellen extern: DSL, ISDN, Analog HKZ, S2m, LTE, GSM, Ethernet. Intern: Upn, ISDN, analog, DECT, Ethernet, ADSL, VDSL).

5. Testaufbau: Richtfunk WLAN-Bridge ( Stefan Kutsche, OV St.Ingbert)
    Richtfunk ("auf-Sicht-Verbindung") als Alternative zur SDSL-Verbindung, wenn aufgrund geographischer
    Gegegenheiten (Flussüberquerung) die Verlegung von Feldkabeln nicht möglich ist.

Am Nachmittag referierte Thomas Lehnart (Deutsche Telekom AG / OV Trier) unterstützt von Mathias Mergens (Deutsche Telekom AG / OV Hermeskeil) in einem Fachvortrag "NGN" über die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen, mit denen der Katastrophenschutz beim Abgriff von Telekommunikationsleitungen von öffentlichen- und privaten Netzen konfrontiert wird.
Einen thematischen Schwerpunkt bildeten hier die veränderten Schnittstellenbedingungen in der Wandlung auf das neue NGN (Next Generation Network) und die damit einhergehenden Chancen und Risiken die folglich auch für das THW zu beachten sind  

Auch bei dem Treffen in Kell am See zeigte sich auf, dass solche Kompetenztreffen einzelner Fachrichtungen, bei der Weitergabe von Wissen und Erfahrung keine „Einbahnstraße“ sein dürfen und der Austausch auf Augenhöhe erfolgen soll!

Jörg Eger (Referent Einsatz im Landesverband), bedankte sich bei Markus Thieltges, stellvertretend für die FK Trier, für die inhaltliche Planung der Veranstaltung und bei der Dt. Telekom AG für die Bereitstellung des Übungsgeländes. Sein Dank galt weiterhin den ehrenamtlichen Workshopleitern für ihre engagierte Ausbildung und den Gästen von der Feuerwehr Josef Weber (stv. Teamleiter der TEL Landkreis Bernkastel-Wittlich) und Torsten Marx (Berufsfeuerwehr Trier/ Wehrleiter VG Kell) für ihr Interesse an der Zusammenarbeit.
Wir danken unserem Nachbar-OV Hermeskeil mit seinem Zugführer Mathias Mergens für die unkomplizierte logistische Unterstützung.
Teilnehmende Fachgruppen Führung/Kommunikation:
OV Bad Homburg
OV Darmstadt
OV Eschwege
OV Gelnhausen
OV Gießen,
OV Landau
OV Mainz
OV Saarwellingen
OV St. Ingbert
OV Trier
OV Westerburg


Fotos: THW/Cordula Apelt